Wie schießt man gute Handyfotos?

7. April 2022
Wie schießt man gute Handyfotos?

Aktuelle Smartphones haben leistungsfähige Kameras, mit denen sich tolle Aufnahmen machen lassen. Doch um wirklich das Beste aus seiner Handykamera herauszuholen und großartige Bilder zu machen, benötigt man etwas Know-how. Durch die immer besser werdenden Kamerasysteme der Smartphones wird das Fotografieren zwar immer leichter, allerdings gibt es einige hilfreiche Tipps, die man beim Aufnehmen beachten kann bzw. sollte. Ein paar der wichtigsten Hinweise vom Einstellen der Kamera über die richtige Perspektive und Bildkomposition zum passenden Zubehör haben wir für dich zusammengestellt.

Dieser Artikel gehört zu einer vierteiligen Serie über die Handy-Fotografie. Im ersten Teil ging es um die wichtigsten Eigenschaften, die ein tolles Kamerahandy ausmachen. Der zweite Teil behandelt großartige Fotohandys, die im Jahre 2022 aus der Masse hervorstechen. Part 3 entführt dich nun in die Welt der Fotografie und vermittelt Tipps und Tricks für schönere Bilder. Im vierten Teil zeigen wir dir die besten Wege, wie du deine Fotos organisieren, bearbeiten und teilen könnt. Hier findest du die Links zu den weiteren Teilen der Serie:

Das richtige Fotohandy

Talent ist nicht alles. Zwar kann man mit dem nötigen Wissen auch mit minderwertigen (Handy-)Kameras richtig spannende Fotos machen, doch mit der richtigen Technologie ergeben sich auf einfache Weise deutlich mehr fotografische Möglichkeiten. So bieten verschiedene Hersteller immer bessere Fotohandys mit hochauflösenden und leistungsstarken Objektiven an, die durch eine tolle Performance ergänzt werden. Wer also Wert darauf legt, mit seinem Handy gute schönes Fotos machen zu können, sollte sich vor dem Kauf vergewissern, dass das Wunschgerät auch eine angemessene Kamera besitzt.

Neben der Vielseitigkeit der Objektive (Ultra-Weitwinkel, Tele etc.) und der Auflösung sollte man auch auf hochwertige Sensoren, eine niedrige Blende, die Bildstabilisierung (OIS und EIS) und einen guten Autofokus achten. Darüber hinaus spielen die Prozessorleistung sowie RAM und der interne Speicher eine Rolle für das reibungslose Funktionieren der komplexen Kameraanwendungen.

Auf welche Angaben du bei der Suche nach dem optimalen Fotohandy achten musst, erfährst du im Detail in Teil I: Was macht ein gutes Kamerahandy aus?.

Es gibt viele starke Smartphones von bekannten Herstellern wie Samsung, Apple, Sony, Google, Huawei etc., die alle dieser Punkte aufweisen können. Doch nicht nur teure Flaggschiffe sind mit guten Kameras ausgestattet, da aufstrebende Hersteller wie Xiaomi, OnePlus und Oppo viele tolle Geräte für kleineres Geld anbieten.

Mit welchen Top-Handys du beim Fotografieren gut beraten bist, findest du in Teil II: Die besten Kamerahandys 2022 heraus.

Das richtige Handy mit einer hochwertigen und mehrteiligen Kamera macht das Fotografieren zum Kinderspiel.

Korrekte Vorbereitung und Einstellungen

Hardware

Akku und Speicherplatz

Bevor du dich ans Fotografieren machst, solltest du darauf achten, dass dein Smartphone genug Akku und Speicherplatz hat, um einem Shooting standzuhalten. Dementsprechend kannst du dein Smartphone vorher aufladen oder unterwegs eine Powerbank nutzen. Eine mobile Stromquelle dabeizuhaben, kann sich in vielen Situationen lohnen.

Bezüglich deines Speichers ist es ratsam, ein Handy mit viel Gigabyte zu wählen oder das Gerät mit einer microSD-Karte zu erweitern. Musst du Platz schaffen, kannst du überflüssige Dateien löschen oder alte Fotos und Videos in die Cloud hochladen bzw. auf deinem Computer sichern.

Mehr dazu erfährst du in Teil IV: Fotos organisieren, bearbeiten und teilen.

Saubere Kamera

Ein wichtiger Schritt vor dem Bilderschießen ist zudem das Reinigen deiner Kamera. Deine Smartphone-Kamera besitzt keinen Objektivdeckel, weswegen sie allen Umwelteinflüssen dauerhaft ausgesetzt ist. Verschmutzte Objektive können für unangenehme Flecken auf deinen Bildern sorgen und den Lichteinfall verändern und somit ungewünschte, unscharfe Flächen erzeugen. Ein sauberes Kameraglas ist deswegen unabdingbar.

Falls die Linse verschmutzt sein sollte, kannst du ein weiches Mikrofasertuch oder Brillenputztuch verwenden, um Staub und Fingerabdrücke zu entfernen. Achte jedoch darauf, dass das Tuch sauber und krümelfrei ist und du keine Kratzer in das Kameraglas reibst. Zum Schutz deiner Linse kannst du außerdem eine Folie bzw. ein Glas aufkleben wie beim Display. Diese gibt es häufig von Drittanbietern zu kaufen und sie bewahren deine Kamera vor Kratzern.

Ein sauberes Objektiv ist wichtig für das reibungslose Fotografieren. Je nachdem, wie sehr du dein Handy strapazierst, empfiehlt sich eine hohe IP-Zertifizierung. (Google Pixel 6 Pro)

Software

Kamera-Modi

Um effektiv und nach deinen Vorlieben fotografieren zu können, lässt sich in der Kamera-App einiges einstellen. Zum Beispiel kannst du bei vielen Smartphones die Anordnung der Modi (Nacht, Portrait, Panorama etc.) verändern, sodass die Anwendung perfekt auf deine Bedürfnisse abgestimmt ist.

Die Auswahl des richtigen Modus erleichtert dir das Fotografieren. So arbeitet der Nachtmodus z. B. mit längeren Belichtungszeiten, HDR (High Dynamic Range) und spezieller Stabilisierung, um das meiste aus Motiven in der Dunkelheit zu holen. Im Panorama-Modus kannst du Landschaften und große Motive fotografieren, da hier mehrere Fotos aus einer Bewegung zusammengefügt werden. Darüber hinaus findest du meistens Funktionen wie Zeitlupe und Zeitraffer. Die Modi unterscheiden sich von Handy zu Handy und am Besten probierst du alle einmal aus, um deine optimalen Einstellungen zu finden.

Wichtig zu erwähnen für ambitionierte Fotografen ist des weiteren der Pro-Modus. Dieser lässt sich sowohl für Fotos als auch Videos nutzen und bietet sehr viel mehr Einstellungen als die automatisierten Modi. Hier kannst du Belichtungszeit, Blende (ƒ), Lichtempfindlichkeit/ISO, Fokus und Weißabgleich präzise an deine Zwecke anpassen. Das erfordert zwar etwas Übung, kann jedoch für deutlich individuellere Fotos sorgen.

Seitenverhältnis und Auflösung

Außerdem lassen sich Seitenverhältnis und Auflösung anpassen. Diese Einstellungen hängen von dem Verwendungszweck und deinen persönlichen Präferenzen ab. Standardmäßig fotografierst du in 4:3 und filmst in 16:9. Allerdings kannst du auch quadratisch aufnehmen oder das Seitenverhältnis deines Displays nutzen sowie manchmal in 3:2 fotografieren.

Die Auflösung gibt für gewöhnlich der Sensor vor. Weit verbreitet sind 12 MP, aber auch deutlich höhere Pixelzahlen wie 64 und 108 MP kannst du bei einigen Smartphones nutzen. Je höher die Auflösung, desto mehr Pixel und somit Bildinformationen besitzt ein Foto. Viele MP können sich hier als praktisch erweisen, da du im Nachhinein deutlich weiter reinzoomen kannst. Um bei Dunkelheit lichtstarke Fotos zu machen, nutzen viele hochauflösende Sensoren das Pixel-Binning. Hierbei werden mehrere Bildpunkte zu einem zusammengefasst, um die Lichtempfindlichkeit zu erhöhen, während sich die Auflösung verringert. Probiere aus, welche Einstellungen für dich und deine Fotos am besten funktioniert.

Formate und Codecs

Um deine Bilder umfassend bearbeiten zu können, bietet sich außerdem das Fotografieren im RAW-Format (Rohdaten) an. Wenn du im Pro-Modus fotografierst, erzeugt dein Handy von jedem Bild eine RAW-Datei, mit der du deutlich mehr Bildinformationen geliefert bekommst. So kannst du nachträglich u. a. mit Photoshop und Lightroom verlustfrei viele Änderungen vornehmen (Belichtungskorrektur, Scharfzeichnung, Tonwertkorrektur, Farbsättigung, Weißabgleich etc.). Dies ist bei einer JPEG-Datei nicht so einfach möglich bzw. stets mit Verlusten an Bildinformation und -details verbunden.

In deiner Kamera-Anwendung hast du zudem die Möglichkeit die Formate HEIF (High Efficiency Image File Format) und HEVC (High Efficiency Video Coding) auszuwählen. Diese Codecs bieten eine effiziente Komprimierung für weniger Speicherverbrauch, allerdings sind die Formate nicht mit allen (insbesondere älteren) Geräten und Softwares kompatibel. Dementsprechend kannst du deine Fotos standardmäßig als JPEG speichern, was zwar etwas mehr Speicherplatz benötigt, aber dafür flächendeckend verwendbar ist. Mit dem iPhone kannst du sogar in Dolby Vision und ProRes filmen. Diese Profiformate können optimal mit Videoschnittprogrammen verarbeitet werden und gestatten einen erweiterten Funktionsumfang.

Filter und KI

Wovon du für ein gutes Foto Abstand nehmen solltest, sind übermäßige KI-Optimierungen deiner Bilder, welche das Ergebnis stark verfälschen. Dazu zählen Gesichtsfilter und andere „Verschönerungen“ und Verzerrungen. Zwar kannst du diese Funktionen als Spielerei nutzen, doch um ein neutrales Bild zu erhalten, solltest du darauf verzichten. Bearbeite deine Bilder lieber im Nachhinein. So hast du die volle Kontrolle über den gewünschten Look und kannst jederzeit zum unveränderten Original zurückgehen. Natürlich kannst du dennoch voreingestellte Filter nutzen, die mit Farben und Licht arbeiten, wenn du wiederkehrend eine spezielle Optik erzeugen willst.

Weitere Informationen bekommst du in Teil IV: Fotos organisieren, bearbeiten und teilen.

Es gibt viele praktische Features, um deine Foto-Erfahrung zu optimieren wie der Kinomodus von Apple. (iPhone 13 Pro)

Das geeignete Objektiv

Weitwinkelobjektiv

Moderne Kamerahandys sind mit verschiedenen Objektiven ausgestattet, um jedes mögliche Szenario bewältigen zu können. Üblich ist bei Flaggschiffen ein leistungsstarker Primärsenor sowie Tele- und Ultra-Weitwinkelobjektive und teilweise Marko-Kameras. Die zentralen Weitwinkelsensoren sind für gewöhnlich am besten ausgestattet. Sie sind bei hochwertigen Smartphones die Allzweckwaffe für jede Fotosituation mit hoher Megapixel-Zahl, niedriger Blende, gutem Autofokus, und optischer Bildstabilisierung (OIS). Die Brennweite entspricht meistens ca. 25 mm.

Mit ihnen kannst du so ziemlich alles fotografieren. Mit dem Nachtmodus überzeugen die Hauptsensoren auch bei Dunkelheit und durch den Panoramamodus kannst du Landschaften und große Objekte wie Wolkenkratzer einfangen. Auch Videos haben mit diesem Objektiv meist die höchste Qualität.

Ultra-Weitwinkelobjektiv

Um eine große Szene aus kurzer Distanz fotografieren zu können, solltest du auf ein Ultra-Weitwinkelobjektiv (UWW) zurückgreifen. Es eignet sich ideal für Naturaufnahmen und Fotos von großen Gruppen. Die Brennweite liegt für gewöhnlich um die 15 mm, um einen möglich großen Aufnahmewinkel zu erzielen. Dadurch ergeben sich allerdings Objektivverzerrungen an den Rändern, welche durch die Software ausgeglichen werden müssen.

Darüber hinaus besitzen die zusätzlichen UWW häufig nicht die Top-Features der Hauptsensoren (niedrige Blende, OIS etc.). Du solltest also beim Fotografieren genau darauf achten, wann das UWW gut funktioniert und wann es mit den Lichtverhältnissen oder einer lebhaften Szenerie nicht zurecht kommt. Unterm Strich ist das UWW auf jeden Fall eine sinnvolle Ergänzung für dein Kamera-Setup. Bei einigen Smartphones sind die UWW sogar auf das Filmen ausgelegt und besitzen Features, die ruckelfreie Videos erleichtern.

Teleobjektiv

Ein wichtiger Teil jeder guten Handykamera, der immer hochwertiger wird, ist das Teleobjektiv. Dieser Sensor hat meist ein Brennweite von 50 mm oder deutlich darüber und erreicht somit einen optischen Zoom. Besondere Periskop-Telesensoren von Premium-Handys mit speziellen Spiegeln zur Lichtbrechung ermöglichen noch stärkere Vergrößerungsfaktoren. Das Samsung Galaxy S22 Ultra hat zum Beispiel ein Periskop-Teleobjektiv mit einem zehnfach optischen Zoom (230 mm Brennweite-Äquivalent).

Mit Teleobjektiven kannst du weit entfernte Motive ganz nah heranholen, was sich im Alltag immer wieder als praktisch erweist. Telesensoren haben im Gegensatz zu UWW oft eine OIS, da sie weit hineinzoomen und deswegen deutlich empfindlicher gegenüber Wackeln sind. Durch die optische Vergrößerung kannst du den Digital-Zoom umgehen, der einfach nur deinen Bildausschnitt großzieht, aber die Auflösung verringert und somit weniger Bildinformationen liefert. Mehr dazu erfährst du im Abschnitt Ganz nah heran – mit Zoom?.

Weitere Sensoren

Manche Kameras besitzen noch weitere Objektive, von denen du Gebrauch machen kannst. Ein gängiges Beispiel ist der Makro-Sensor, womit du in der Lage bist, aus nächster Nähe Fotos zu schießen. So hältst du kleine Objekte fest wie Blumen oder kleine Tiere. Bei den meisten Handys sind die Makro-Kameras nur Spielereien mit 2 MP und keinen aufregenden Features, doch einige Smartphones haben auch hochwertige Sensoren. Insbesondere diese Makro-Kameras von hoher Qualität runden deine Objektivgruppe ab, sodass du aus jeder Entfernung starke Bilder machen kannst.

Es gibt auch weitere Objektive für Monochrom-Aufnahmen oder Tiefenerkennung mit Time-of-Flight-Sensoren. Bei manchen Handys lassen sich diese gezielt ansteuern und für spezielle Effekte nutzen. In den meisten Fällen jedoch dienen sie nur zur Unterstützung der anderen Sensoren für das korrekte Einstellen der Hintergrundschärfe.

Mehrere Objektive für perfekte Fotos in jedem Szenario. (Sony Xperia 1 III)

Perspektive und Bildaufbau

Zu Perspektive und Bildaufbau lassen sich nur schwer pauschale Aussagen treffen, da diese extrem abhängig sind vom gewählten Motiv, den zeitlichen und örtlichen Umständen sowie deinem persönlichen Fotografiestil und dem Zweck des Fotos. Es gibt allerdings ein paar Tipps, die man befolgen kann, um das Meiste aus einem Bild herauszuholen. Besonders dienen diese Hinweise als orientierende Grundlagen, um von ihnen ausgehend einen eigenen Stil entwickeln zu können. Jede dieser Regeln kann und sollte aber auch bewusst gebrochen werden, um spannende Ergebnisse zu erhalten.

Drittel-Regel

Ein sehr weit verbreiteter Grundsatz der Fotografie ist die Drittel-Regel (auch Zwei-Drittel-Regel oder auf englisch Rule of thirds). Mit ihr wird das Bild gedanklich in neun gleichgroße Abschnitte (3 x 3) unterteilt. An den vier Schnittpunkten oder entlang der Trennlinien der einzelnen Rechtecke wird das Motiv ausgerichtet, um eine harmonische Gestaltung zu erzeugen. So wirken viele Fotos, die dieser Regel folgen, weniger statisch und ansprechender als Bilder, dessen Motiv mittig platziert ist.

Das Raster hilft beim Fotografieren und der Orientierung an der Drittelregel.

Perspektive und Augenhöhe

In vielen Fällen wollen wir Dinge oder Lebewesen fotografieren, die kleiner sind als wir. Ein ratsamer Hinweis, um schöne Aufnahmen zu erzielen, ist also das Absenken der Kamera auf Augenhöhe. Wer zum Beispiel sein Haustier fotografieren will, kann dies deutlich eindrucksvoller tun, wenn man sich näher zum Boden bewegt und in die Hocke begibt, um Hund oder Katze aus ihrem eigenen Blickwinkel abzulichten. So entsteht eine natürliche und greifbare Optik, die das Motiv dem Betrachter deutlich zugänglicher macht und die jeweiligen Charakteristika besser in Szene setzt. Das gleiche gilt selbstverständlich auch für höhere Motive wie große Menschen, Tiere oder Objekte.

Viele andere Perspektiven können auch einen spannenden Effekt erzielen. In der Froschperspektive, also einer starken Untersicht vom Boden aus, erscheint dein Motiv deutlich größer. Durch den niedrigen Winkel entsteht ein dramaturgischer Effekt, der das Fotoobjekt gewaltig und überlegen darstellt bzw. den Betrachter klein hält.

Das Gegenteil ist die Vogelperspektive, eine starke Obersicht, aus der man auf das Motiv herabschaut. Der Betrachter nimmt eine erhabene Position ein, in der man den Überblick über alle Geschehnisse hat. In diesem Fall wird das Motiv als klein und unscheinbar präsentiert.

Hier ist Einsatz gefragt! Wer schöne Fotos machen will und keine austauschbaren Schnappschüsse sollte mit dem Blickwinkel spielen. Setze oder lege dich auf den Boden, steig auf einen Stuhl oder klettere auf eine Mauer und probiere alle Perspektiven für dein Motiv aus. Aber: Stay safe! Du sollst dabei weder dich noch andere gefährden. Auch das Drehen der Kamera kann einen interessanten Look erzeugen, der deinem Bild einen individuellen Stil verleiht.

Lichtquelle und Gegenlicht

Ein wichtiger Aspekt beim Fotografieren ist die Ausrichtung des Lichts. Bedingt durch deine Perspektive können die Sonne oder künstliches Licht dein Motiv erhellen oder Schatten werfen. Möchtest du, dass dein Objekt klar erkennbar ist, solltest du mit der Sonne bzw. dem Licht arbeiten, das sich in deinem Rücken befindet. Achte jedoch darauf, keine ungewollten Schatten auf das Motiv zu werfen. Du kannst aber mit den Schatten anderer Objekte arbeiten, um tolle Effekte zu erzielen.

Möchtest du dein Motiv künstlerisch präsentieren, kannst du gegen die Sonne bzw. das Licht arbeiten, sodass sich dieses hinter dem Objekt befindet. Dadurch können interessante Kontraste entstehen und spezielle Strukturen und Umrisse in den Vordergrund rücken, die sonst schwer zu erkennen sind. Transparente oder teilweise transparente helle Objekte leuchten im Gegenlicht auf. Allerdings ist es nicht ganz einfach, so zu arbeiten, da insbesondere Farbdetails von undurchsichtigen Motiven wiederum von starken Hell-Dunkel-Kontrasten verschluckt werden. Somit musst du häufig manuell nachregeln, da die Automatikeinstellungen von Kameras bei Gegenlichtaufnahmen oft nicht zufriedenstellend funktionieren.

Statt der Sonne kannst du bei Dunkelheit oder im Innenbereich mit künstlichem Licht arbeiten. Dies ist meist dunkler und weniger flächendeckend, weswegen sich dir andere Gestaltungsmöglichkeiten eröffnen. Probiere verschiedene Perspektiven, Lichtstärken und Farbtemperaturen aus, um dein Fotoziel zu erreichen.

Als Lichtquelle kannst du darüber hinaus den Kamerablitz nutzen. Zudem ergeben sich aus der Nutzung des Lichts viele Konsequenzen für die Belichtungseinstellungen deiner Kamera. Diese Aspekte werden im Kapitel Belichtung und Blitz näher erklärt.

Mit Gegenlicht zu arbeiten ist eine Kunst für sich.

Ganz nah heran – mit Zoom?

Bewegung und Vergrößerung

Zusätzlich zur Ausrichtung und zum Winkel, aus dem deine Kamera fotografiert, ist die Einstellungsgröße ein ganz entscheidender Faktor. Die Größe des Motivs auf deinem Foto kann sowohl über eine Kamerafahrt (also das physische Annähern der Kamera an das Motiv) als auch über Zoom angepasst werden. Beim Erstgenannten musst du dich logischerweise näher an dein Motiv bewegen. Dadurch verändert sich der Bildausschnitt, also welche Elemente der Umgebung überhaupt zu sehen sind, und das Verhältnis der einzelnen Objekte zueinander, da sich die Position der Kamera anpasst. Mit dieser Methode musst du keine Qualitätsverluste durch Zoom befürchten. Außerdem erzeugt die Kamerafahrt beim Filmen eine dynamischere Perspektivänderung, die näher an der natürlichen Seherfahrung ist als ein Zoom, bei dem der Kamerastandort gleich bleibt.

Digitaler Zoom

Zoom teilt sich in zwei Varianten auf: den digitalen und den optischen Zoom. Der digitale Zoom ist immer verlustbehaftet und vergrößert lediglich einen Bildausschnitt. Je nach Intensität des Zooms werden die Bildpunkte hochgerechnet, um ein Foto mit brauchbarer Auflösung zu bekommen. Dabei entstehen jedoch Unschärfen und Detailverluste. Je ausgereifter die Software deines Handys ist, desto besser können Bildinformationen durch Algorithmen errechnet werden. Den digitalen Zoom solltest du nur nutzen, um bei einem hochauflösenden Foto einzelne Details hervorzuheben, die auch mit optischem Zoom nicht erkennbar sind.

Optischer Zoom

Der optische Zoom funktioniert grundlegend anders, denn hier findet die Vergrößerung über den Einsatz von Lichtbrechung verschiedener Linsen statt. Viele Smartphones besitzen Teleobjektive mit mehrfachem optischen Zoom, um Motive ganz nah heranzuholen. Das kann sich als äußerst praktisch erweisen, wenn es nicht oder nur schwer möglich ist, näher an ein Objekt zu gehen. Es handelt sich jedoch um Festbrennweiten, denn tatsächliche Zoomobjektive mit variabler Brennweite, wie sie Fotoapparate oft besitzen, werden quasi nie verbaut. Dementsprechend schaltest du immer zwischen verschiedenen Objektiven hin und her und kannst nie nur mit einem dynamisch arbeiten. Allerdings reagieren moderne Smartphones in Sekundenschnelle und holen über KI-Optimierungen das Meiste aus deinen Fotos raus.

Naheinstellgrenze

Schaue je nach Situation, mit welcher Methode du dein gewünschtes Ziel erreichst. Versuche in den meisten Situationen eine Kamerabewegung zu nutzen, um die Einstellungsgröße zu verändern. Allerdings musst du auf die Naheinstellgrenze achten, also die kleinstmögliche Distanz zwischen Sensor und Motiv, damit du ein scharfes Bild bekommst. Diese liegt meist bei wenigen Zentimetern und kann nur mit einem Makroobjektiv umgangen werden. Um die Abbildung deines Objekts zu vergrößern, ohne die Perspektive zu ändern, nutze den Zoom. Das bietet sich besonders für Naturfotografie an, wenn du dein Motiv nicht stören möchtest.

Eine gute Perspektive und die passende Einstellungsgröße verleihen deinem Motiv Ausdrucksstärke.

Hintergrund und Tiefenschärfe

Bildelemente gestalten

Perspektive, Bildaufbau, Wahl des Objektivs und die anderen genannten Aspekten beeinflussen bereits erheblich die Hintergrundgestaltung. Allerdings kann man je nach Motiv und Stil die Umgebung und somit die Komposition des Hintergrunds verändern. Bei Aufnahmen aus der Ferne kannst du meist wenig an den Gegebenheiten rundum das Motiv ändern. Hier solltest du auf die bekannten Methoden wie die Kameraposition zurückgreifen, um ein tolles Foto zu erzielen. Darüber hinaus kannst du mit Fokusfiltern und in der nachträglichen Bearbeitung einiges rausholen, was die Hintergrundebene betrifft.

Mehr Informationen gibt es in Teil IV: Fotos organisieren, bearbeiten und teilen.

Wenn du dich näher an deinem Motiv befindest und/oder es stärker anpassen kannst, erweitern sich deine Gestaltungsmöglichkeiten deutlich. Egal, ob du Personen, Tiere oder Dinge wie dein Essen (Stillleben) fotografierst, achte darauf, störende Elemente aus der Bildumgebung zu entfernen. Das gilt insbesondere für Objekte, die sich im gleichen Fokusbereich wie dein Motiv befinden und ablenken. Je aufgeräumter der Hintergrund ist und je weiter andere Elemente von deinem Objekt entfernt sind, desto mehr sticht dieses hervor. Selbstverständlich kannst du deinen Vorstellungen entsprechend das Bild ganz anders komponieren und zum Beispiel viele Objekte im Schärfebereich halten.

Tiefenschärfe gezielt einsetzen

Film-Look

Für ein präsentes Motiv und ein schönes Bokeh (Ästhetik des Unschärfebereichs) sorgt je nach Einstellungen deiner Kamera die Tiefenschärfe/Schärfentiefe. Insbesondere bei der Portraitfotografie entsteht ein professioneller Eindruck („Film-Look“) durch eine geringe Tiefenschärfe. Um diesen Stil zu erreichen, kannst du auf eine große Brennweite mit einem Teleobjektiv setzen und die Blende besonders offen halten (niedrige Blendenzahl ƒ). Aktuelle Smartphones haben extrem offene Blenden von ƒ/2,0 und niedriger für äußerst lichtstarke Fotos, allerdings erreichen sie nicht die Sensorgrößen und Brennweiten von professionellem Equipment.

Pro-Modus

Beim normalen Fotografieren stellt das Smartphone die meisten Parameter (Belichtungszeit, Blende, Lichtempfindlichkeit/ISO etc.) selbst ein. Ein einfaches Tippen genügt, um den Fokus anzupassen und die Belichtung lässt sich ebenfalls leicht verändern. Wenn du jedoch einen gewissen Look erzielen möchtest, musst du im Pro-Modus die Einstellungen auf dein Motiv anpassen. Eine offene Blende (kleine Blendenzahl ƒ) verringert die Tiefenschärfe, eine weiter geschlossene Blende (große Blendenzahl ƒ) erhöht sie. Je näher du an dein Motiv gehst und je länger die Brennweite ist, desto kleiner wird ebenfalls der Schärfebereich und umgekehrt. Beachte all diese Hinweise, um das Foto zu schießen mit der Hintergrundkomposition, die dir vorschwebt.

Portraitmodus und KI

Eine geringe Schärfentiefe lässt sich auch digital erzielen. Viele Handys besitzen einen Portraitmodus, welcher den Hintergrund eines Motivs automatisch weichzeichnet. Das kann eine interessante Optik für Selfies und Fotos von anderen Menschen erzeugen. Meistens wirkt es jedoch künstlich, da dein Smartphone per KI versucht, die Kanten von einem Objekt zu erkennen, was nicht immer gut funktioniert.

Das Motiv wird durch eine geringe Tiefenschärfe deutlich präsentiert.

Belichtung und Blitz

Belichtungszeit

Ein paar wichtige Begriffe zum Licht sind bereits gefallen: Belichtungszeit, Blende, Lichtempfindlichkeit/ISO, Nachtmodus, HDR. Die Belichtungszeit wird in Sekundenbruchteilen angezeigt und gibt an, wie lange der Verschluss Licht auf den Sensor fallen lässt. Eine kurze Belichtungszeit ermöglicht das Fotografieren und „Einfrieren“ von sich schnell bewegenden Motiven wie spielende Hunde, fahrende Autos, laufendes Wasser oder aktive Sportler. Allerdings funktioniert dies bei Dunkelheit nur bedingt, weswegen hier eine lange Verschlusszeit benötigt wird, was wiederum für Unschärfen bei beweglichen Objekten führt. Mit einer langen Belichtung kannst du tolle Effekte wie Leuchtspuren von Autoscheinwerfern oder Verwischen von fließendem Wasser erzielen. Dafür empfiehlt sich jedoch trotz einer guten Bildstabilisierung die Verwendung eines Stativs.

Blende

Eine besonders offene Blende kann das Fotografieren bei schwierigen Lichtverhältnissen erleichtern. Mit Blendenzahlen unter ƒ/2,0 bist du bestens gerüstet für solche Szenarien, allerdings verfügen selten alle Objektive über so offene Blenden. Wenn es sehr hell ist, kannst du stärker abblenden. Beim Verstellen der Blende musst du die genannten Aspekte zur Tiefenschärfe beachten. Außerdem kannst du das Abblenden nicht beliebig betreiben, denn bei weit geschlossenen Blenden (meistens ƒ/16 und aufwärts) leidet das Auflösungsvermögen.

Lichtempfindlichkeit/ISO

Ein wichtiger Aspekt, der bisher wenig ausgeführt wurde, ist der ISO-Wert. Er sagt etwas über die Lichtempfindlichkeit des Sensors (ursprünglich des Kamerafilms) aus. Je höher der ISO-Wert ist, desto mehr Licht kann der Sensor einfangen, was sich bei Dunkelheit als sehr praktisch erweist. Allerdings sorgt eine hohe Lichtempfindlichkeit auch für Bildrauschen, eine schlechtere Farbtreue und Einbußen beim Kontrastumfang. Moderne KI-Optimierungen und das erwähnte Pixel-Binning von großen Sensoren können einiges davon ausgleichen, allerdings musst du hier mit Qualitätsverlusten rechnen. Die Rauschreduzierung beispielsweise kann deine Fotos verwaschen aussehen lassen. Hier musst du im Zweifelsfall mit digitaler Bildbearbeitung nachhelfen. Die grobe Körnung kann aber auch genau dein fotografisches Ziel sein.

Nachtmodus und HDR

Je nach Situation stellt die Kamera-App in der Automatik einen passenden Modus wie den Nachtmodus ein. Dieser versucht ein lichtstarkes Bild aus der Dunkelheit zu ziehen und setzt dabei eine lange Belichtungszeit und High Dynamic Range (HDR) ein. HDR ist ein Feature, mit dem aus mehreren Fotos einer Belichtungsreihe ein Hochkontrastbild erzeugt wird. Dabei werden über- und unterbelichtete Fotos kombiniert, um jedes Element korrekt darzustellen. Dein Handy findet meistens über seine Software den Punkt, dass alles gut zu erkennen ist, allerdings solltest du deinen Vorstellungen entsprechend auch manuell nachregeln und die Grenzen des Kamerasystems kennen. Das Ganze funktioniert nämlich nur bei unbewegten Motiven. Zwar hilft auch hier eine gute Bildstabilisierung aus, doch du solltest lieber ein ruhiges Händchen beweisen oder auf ein Stativ zurückgreifen. Mit HDR kannst du wie zuvor erwähnt auch bei Gegenlicht gut arbeiten.

Blitzlicht

Wovon du für gewöhnlich die Finger lassen solltest, ist der verbaute Blitz. Dieser erzeugt eine sehr unnatürliche Lichtsituation, die viele Motive unschön aussehen lässt. Handys haben mittlerweile sehr helle LED-Blitzlichter, die einen ganzen Raum erleuchten können. Sofern das für deine gewünschte Ästhetik beabsichtigt ist, kannst du natürlich auf dieses Feature zurückgreifen. Besonders sinnvoll ist der Blitz für Fotos, die eine praktische/dokumentarische Funktion erfüllen sollen, da man hier alles gut erkennen muss. In den meisten Situationen erzielt das Blitzlicht aber keine attraktiven Fotoergebnisse.

HDR-Fotos bei Nacht bringen die dunklen Flächen und hellen Lichter auf ein kontrastreiches Bild.

Farbe und Dynamik

Alle Hinweise rundum Licht und Perspektive wirken sich auf die farbliche Gestaltung deines Fotos aus. Eine Einstellung, um die Farbgebung deiner Bilder zu verändern, ist der Weißabgleich. Dieser passt die Farbtemperatur an und kann deinen Fotos einen warmen oder kühlen Look verleihen. Mithilfe des erwähnten HDR kommen nicht nur die Lichtkontraste besser zur Geltung, sondern auch die Farben werden noch dynamischer abgebildet. Dank Technologien wie HDR10+ und Dolby Vision HDR nimmst du mit einem gewaltigen Farbraum auf, weswegen du diese Optionen nach Möglichkeit bei deinem Top-Smartphone einschalten solltest.

Bei der Farbe kannst du mit vielen Software-Effekten wie Filtern spielen. Die offensichtlichste Methode ist das Fotografieren in Schwarzweiß. So erhältst du einen interessanten Stil, der klassisch elegant und/oder düster melancholisch aussehen kann. Manche Handys besitzen wie erwähnt Monochrom-Objektive, doch in den meisten Fällen sind SW-Aufnahmen durch die Software entfärbt. Über weitere Filter und nachträgliche Bearbeitung kannst du deine Fotos individuell anpassen. Hier solltest du dich einfach durchprobieren und die Einstellungen finden, die dir Spaß machen.

Tiefere Einblicke erhältst du in Teil IV: Fotos organisieren, bearbeiten und teilen.

Dank HDR sehen deine Fotos brillanter aus und Bildschirme können diese dynamischer wiedergeben. (Huawei P50 Pro)

Fotozubehör

Neben einem guten Kamerahandy kannst du mit professioneller Hardware viel erreichen. Ein wichtiges Produkt für ambitionierte Fotografen ist das Stativ. Es hilft dir, den Bildausschnitt zu stabilisieren und Langzeitbelichtungen für Fotos und Zeitraffer zu ermöglichen. Mit einem Fernauslöser dazu kannst du dich sogar weit von deinem Handy entfernen und trotzdem Fotos schießen. Diese können Mittlerweile einfach per Bluetooth gekoppelt werden, Zudem gibt es verschiedene Verlängerungen wie einen Selfie-Stick, der zwar Ziel einigen Spottes geworden ist, aber sich für Gruppenfotos und Bilder auf Solo-Abenteuern gut eignet.

Für noch mehr Spielraum sorgen zusätzliche Objektive, die du auf dein Handy montieren kannst. Die Aufstecklinsen erweitern deine Kreativität und kommen in Form von Fisheye-, Makro-, Polfilter oder Super-Weitwinkelobjektiv. Für wenig Geld kannst du bereits einige tolle Effekte erzielen.

Den Umweltbedingungen trotzt du mit Handy-Handschuhen, welche auch bei Kälte die Bedienung des Touchscreens ermöglichen. Für Fotos an und in Meeren, Flüssen, Seen und Pools bietet sich ein Unterwasser-Case an. Zwar sind die meisten Geräte heutzutage wasserdicht dank IP68-Zertifizierung, aber die Kamera kann nicht immer zu 100 % unter Wasser arbeiten und man sollte sein Glück nicht auf die Probe stellen.

Viele Produkte wie ein Stativ können dir das Fotografieren erleichtern.

Es gibt viele Dinge zu beachten beim Fotografieren und wir hoffen, die wichtigsten Aspekte für dich abgedeckt zu haben. Entscheidend ist allerdings, sich auszuprobieren und die vielen Hinweise nur als Ausgangspunkt zu nehmen. Denn die Qualität der Bilder hängt noch immer von denjenigen ab, die sie aufnehmen. Eine gute Kamera kann dabei allerdings sehr behilflich sein. Deswegen haben wir im ersten Teil der Serie die wichtigsten Kriterien für gute Fotohandys zusammengetragen, um dir die Auswahl zu erleichtern: Teil I: Was macht ein gutes Kamerahandy aus?.

Eine Auflistung der besten Smartphones, die diese Merkmale ohne Frage aufweisen, haben wir im zweiten Teil der Reihe erstellt: Teil II: Die besten Kamerahandys 2022. Mit jedem dieser Geräte bist du bestens beraten und schießt auch mit geringem Aufwand fantastische Fotos.

Nachdem du die ersten drei Teile aufgesaugt hast und tolle Bilder dein Handy füllen, müssen diese noch richtig verwaltet werden. Alles, was du dazu wissen musst, erfährst du in Teil IV: Fotos organisieren, bearbeiten und teilen.



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